Aktuelle Zeitungsartikel

Wie eine junge Geigenvirtuosin in Dillingen verzaubert

Augsburger Allgemeine, 2. Juli 2019, Erich Pawlu

(...) Die 23-jährige, vielfach ausgezeichnete Geigerin sicherte dem Violinkonzert D-Dur op. 6 nicht nur ein authentisches Profil, sondern auch eine faszinierende Mischung von Präzision und Emotionalität.Mit fast immer geschlossenen Augen signalisierte sie während ihres Spiels die Möglichkeit, die Ästhetik der drei Sätze durch meditative Versenkung zu erschließen. Souverän meisterte die 23-Jährige die koloraturhaften Passagen, schwärmerisch gestaltete sie die melodiösen Schwelgereien im Larghetto des zweiten Satzes. Die eigenen kurzen Kadenzen gaben Milena Wilke Gelegenheit, mit geistreichen Pizzicato-Effekten die Themen pointiert zu überhöhen. Das Rondo des dritten Satzes, das wegen des Sechsachteltaktes zumeist als Jagdmotiv verstanden wird, verwandelte die Solistin mit Betonung der wiegenden Rhythmik in ein euphorisches Bekenntnis der Lebensfreude. (...)

Betörende Klangschönheit bis ins feinste Detail

Badische Zeitung 19. März 2019, Roswitha Frey

(...) Im zweiten Teil dann Vivaldis "Vier Jahreszeiten", die durch unzählige Aufführungen und Einspielungen schon Kultcharakter bekommen haben. Das Kurpfälzische Kammerorchester und die Solistin Milena Wilke setzen in den Tonmalereien des Venezianers nicht so sehr auf barocke Affekte, auf geschärfte artikulatorische Kontrastwirkungen, auf illustrative und plakative Bildkräftigkeit. Ihre Sicht der Jahreszeiten ist geprägt durch romantisierenden Wohlklang, durch betörende Klangschönheit bis ins feinste Detail, vor allem im schönen Ton der jungen Geigerin. Die Stipendiatin des Deutschen Musikwettbewerbs lässt im "Frühling" den Vogelgesang auf Bezauberndste ertönen und ihren Violinton edel aufblühen. Die bukolischen Szenen werden lieblich in pastoraler Klangidylle dargestellt. Die lähmende Wärme, das wilde Schwirren der Mückenschwärme, der heraufziehende Sturm im "Sommer"-Concerto werden fein nuanciert ausgemalt. Der sommerliche Sturm, der in hurtiger Schnelligkeit über die Saiten fegt, klingt hier abgemildert. Gleichwohl sind die Streichertremoli und die Solopassagen makellos präzise und lebendig ausgeführt. Im "Herbst" gefällt, mit welcher Natürlichkeit und Frische Milena Wilke und das Orchester den ländlichen Tanz spielen, wie differenziert sie die Jagdepisoden ausmalen. Vor allem die subtil ausgehorchten leiseren Stellen sind, auch im "Winter", von bemerkenswerter Feinheit der Gestaltung. Das Eisige, Harsche, die bittere Kälte, die aus dem Eingangssatz des "Winter"-Konzerts spricht, wird weniger barsch und hart ausgespielt. Und im Largo blüht Wilkes Violinton so wärmend auf wie ein Kaminfeuer an kalten Tagen. Das erwärmte die Zuhörer zum Saisonende der Meisterkonzerte.

 

Benefizkonzert des Lions Clubs Alt-Freiburg in der Oberrieder Klosterkirche Mariä Krönung. 

Badische Zeitung, 18. Dezember 2018, Erich Krieger

(...) Hänsler kündigte die beiden Künstlerinnen Milena Wilke und Dorothea Stepp an. Obwohl noch sehr jung – beide sind Jahrgang 1996 – haben sie sich schon internationale Anerkennung erspielt, über ihr Musikstudium hinaus zahlreiche Meisterkurse absolviert und sind in mehreren renommierten Orchestern bereits solistisch tätig.

Die beiden Geigerinnen luden zu einer musikalischen Zeitreise ein und eröffneten mit der "Sonate e-Moll op. 3 Nr. 5" des Barock-Komponisten Jean-Marie Leclair. Ursprünglich Korbflechter und später Tänzer lernte Leclair Violine spielen und avancierte zu einem der gefeiertsten Geigenspieler seiner Zeit. Schon nach den ersten Tönen offenbarte sich in der überragenden Akustik der Kirche die weit fortgeschrittene Präsenz und der selbstbewusste Gestus der jungen Künstlerinnen. In den technisch anspruchsvollen Sätzen waren die beiden Stimmen derart ineinander verschlungen, dass nicht immer unterschieden werden konnte, wer nun welche Stimme spielte.

Es überwog, wie bei allen weiteren Stücken, das lebendig tänzerische Moment. So im folgenden, der Klassik zuzuordnenden "Duetto G-Dur op. 27 Nr. 6" von Carl Stamitz. Auch hier, besonders in den Sätzen Minuetto und Allegro, drang die Musik nicht nur in die Ohren, sondern meldete sich auch in den Beinen an.

Die Romantik war mit dem "Duo concertante Es-Dur op. 39 Nr. 1" von Louis Spohr vertreten. Auch er spielte selbst virtuos Violine. Vielleicht klang deshalb dieses Duett fast nach einem ganzen Kammerensemble, natürlich auch aufgrund der außerordentlichen Qualität der beiden Musikerinnen. Die Nummer 2 der "Études caprices" des polnischen Komponisten Henryk Wieniawski vernetzte zwei sehr unterschiedliche, in ihrem Gewicht aber gleichwertige Stimmen zu einem organisch-harmonischen Klangerlebnis.Riesenbeifall belohnte die restlos überzeugenden Geigerinnen in der Oberrieder Klosterkirche , die sich ihrerseits mit dem "Violin Duo Nr. 40, Walachischer Tanz" von Béla Bartók bedankten und damit in ihrem programmatischen tänzerisch-schwungvollen Rahmen blieben.

http://www.badische-zeitung.de/musikalische-reise-fuer-zwei-violinen 

Klangvoller Höhepunkt der Musiktage

Chaya Boebel, Südkurier, 16.08.2018

(...) Mit dem Engagement der 22-jährigen Milena Wilke ist den Veranstaltern ein Coup gelungen. Die junge Geigerin, ein außergewöhnliches Talent, das bereits das Spiel einer ausgereiften Musikerpersönlichkeit zeigt, durchdringt mit Tiefgang Alfred Schnittkes „Quasi una Sonata“ von 1987. Sie lotet die ganze Breite von Schnittkes Werk aus, das mit der Viertonfolge b – a – c – h um die unerreichbare Größe Johann Sebastian Bachs ringt. Leuchtende Traumfetzen und alptraumartige Dissonanzen ziehen den Zuhörer in ihren Bann. Mit wunderschönem Ton erweckt Milena Wilke auf ihrer 2009 von ihrem Vater gebauten Geige jeden musikalischen Gedanken zum Leben, und sei er noch so klein. Das trotz anspruchsvoller Kost restlos begeisterte Publikum wird von Milena Wilke mit Fritz Kreislers „Rezitativ und Scherzo“ belohnt, damit zeigt sie noch einmal ihre ganze Virtuosität. (...)

 

Russisch-spanisch – französisch-spanisch

Alexander Dick, Badische Zeitung, 01. 03. 2018

(...) Wie fein, wenngleich mehr französisch als spanisch, ist die musikalische Faktur dagegen in Edouard Lalos Symphonie espagnole. Dieses hochromantische "Violinkonzert" liegt der jungen Freiburger Geigerin Milena Wilke; den rhapsodischen, hochvirtuosen Duktus der Musik bringt sie mit beachtlicher künstlerischer Reife zum Schwingen. Die ersten beiden Sätze haben – bei Solistin und Orchester – noch eine Spur zu viel Bodenhaftung und Statik oder vielleicht auch Akkuratesse. Ab dem dritten Satz aber beginnt die Luft zu flirren, Milena Wilke fängt mit ihrer intimen Klanggebung den vorimpressionistischen Duktus der Musik trefflich ein. Wunderbar auch das schmerzerfüllte Andante mit der herrlich dunklen Mischung von Klarinetten- und Fagottklang. Und ein echtes Fest ist das Finale, bei dem Wilke ihre solide Technik mit sicheren Oktavgriffen präsentieren kann. Wie stilsicher ihr Spiel ist, zeigt sie mit ihrer Zugabe, der Sarabande aus Bachs d-Moll-Partita: fein arpeggierte Akkorde, transparente, kaum vibratierte Tongebung, große Melodiebögen. (...)

http://www.badische-zeitung.de/klassik-2/russisch-spanisch-franzoesisch-spanisch--149911507.html

Die Freiburger Geigerin Milena Wilke will etwas bewirken

Kathrin Kramer (Text) und Thomas Kunz (Foto), Badische Zeitung, 26.02.2018

Die Freiburger Geigerin Milena Wilke ist ein großes Talent. Aber sie will nicht nur spielen, sondern auch gesellschaftlich etwas bewirken. Nun steht ihr erstes großes Heimspiel bevor.

Es gibt ganze Geigen und halbe, Viertel- und Achtelgeigen auch. Der Corpus einer 32stel-Geige entspricht etwa der Spanne einer mittelgroßen Hand, mit Hals ist sie 34 Zentimeter lang. Als ihre Mutter die zweieinhalbjährige Milena Wilke zur ersten Geigenstunde brachte, hatte sie diese winzigste aller Geigen und einen Schnuller dabei. Das ist nun ziemlich genau neunzehneinhalb Jahre her. Am Dienstag steht die Freiburgerin mit ganzer Geige als Solistin im Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters auf der Bühne des Freiburger Konzerthauses. Sie wird das Violinkonzert Nr. 2 von Edouard Lalo spielen.
In einem Alter, in dem andere Kinder sich damit begnügen, sprechen zu lernen, wünschte sich die kleine Milena bereits ein weiteres Ausdrucksmittel. Sie wollte Geige spielen, was nahe lag. Denn beide Eltern spielten die Violine im Philharmonischen Orchester des Freiburger Theaters. An die ersten Geigenstunden kann sie sich natürlich nicht mehr erinnern, aber dann mit vier an die ersten Vorspiele im schönen Kleid und an kleine Weihnachtskonzerte in Altenheimen.

Das erste Konzert dieser Größenordnung
Milena Wilke kennt ihr Leben nur mit Geige. Sie sagt: "Das Instrument wächst einem an." Das Sprechen hat sie damals ganz nebenbei auch perfekt gelernt. Wir sitzen fast zwei Stunden beim Kaffee, während derer die junge Frau in druckreifen Sätzen, wohl überlegt und bescheiden zugleich, über ihren Werdegang und ihre Absichten spricht. Dabei könnte sie ruhig ein bisschen eingebildet sein.
Die Liste der Preise, die sie bereits gewonnen hat, ist lang. Darunter der erste Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" und 2016 in Berlin beim Wettbewerb "Ton und Erklärung". Sie spielt als Solistin mit großen Sinfonieorchestern, gibt Kammermusikkonzerte auf nationalem und internationalem Parkett. Nebenbei macht sie ihren Bachelor an der Musikhochschule in München, wo sie zum ersten Mal nicht mehr nur den Anweisungen der Lehrer zu folgen lernt, was lange unumgänglich war, sondern auf ihre Intuition zu vertrauen und eine eigene Stimme zu entwickeln. Vielleicht gerade, weil die Geige ein Teil ihrer Identität ist – "wer mich kennt, kennt mich als Milena, die Geigerin" – , musste sie im vergangenen Jahr noch einmal zurück auf null. Sie erzählt, wie sie alles in Frage gestellt und ganz andere Lebenswege entworfen hat. "Was bringt es", fragte sie sich, "wenn ich zum soundsovielten Mal für Leute, die es sich leisten können, all die Standardwerke spiele, die schon so viele vor mir gespielt haben?"
Es ging ihr nicht um die Freude, die hatte sie nach wie vor, sondern um den Sinn. Ein "nervenzehrendes Jahr", sagt sie, aber dann ist "ein Knoten geplatzt, den ich vorher gar nicht empfunden hatte". Ihr wurde klar, dass man lernen muss, "mit dem, was man hat, etwas zu erschaffen". Und das, was sie zuallererst und unverbrüchlich hat, ist die Geige.
Aber sie will nicht in einer Blase leben. Sie will sich einmischen, sie will ihre Stimme erheben. Bei Kammerkonzerten gibt sie inzwischen kleine Einführungen und Anmoderationen, in die sie, ohne belehrend sein zu wollen, politische Inhalte einflicht, etwa zum Thema Europa und Frieden, die ihr am Herzen liegen.
Und sie möchte Musik für alle machen. Vor kurzem hat sie in einem Münchner Café ein Benefizkonzert veranstaltet, dessen Erlös einer Organisation zugute kam, die Bildungsarbeit in Deutschland organisiert. Die Leute saßen an ihren Tischen, tranken Wein, unterhielten sich – zu Streichquartetten von Mendelssohn Bartholdy und Beethoven. "Das war irritierend", erzählt sie, und kurz hat sie überlegt, ob sie um Ruhe bitten soll. Aber dann wurde ihr klar, dass sie in diesem Rahmen um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen muss, ihm mit ihren Mitteln, nämlich denen der Musik, klar machen will: "Hey Leute, wenn ihr nicht zuhört, verpasst ihr was!" Am Ende war es ganz still im Café.
Im Freiburger Konzerthaus wird es von Anfang an mucksmäuschenstill sein. Milena Wilke wird die ungeteilte Aufmerksamkeit von weit über tausend Zuhörern haben. Sie reibt sich die immer etwas zu kalten Hände. Sie ist nervös, wenn sie daran denkt, denn es ist das erste Konzert in dieser Größenordnung, und es ist ein "Heimspiel". Lalos Sinfonie jedoch liegt ihr, die temperamentvollen Elemente spanischer Volksmusik, die sehr unterschiedlichen Charaktere der fünf Sätze. "Da entstehen in meinem Kopf sofort imaginäre Bühnenbilder." Ihre Mutter, die früher täglich mit ihr geübt hat, wird im Orchester mitspielen. Die Geige hat ihr Vater gebaut.

https://www.badische-zeitung.de/klassik-2/die-freiburger-geigerin-milena-wilke-will-etwas-bewirken--149770641.html

Viel Vergnügen

Die 8. Streichertage in der Hochschule für Musik München

Harald Eggebrecht, Süddeutsche Zeitung, 14. 12. 2017

(...) während Milena Wilke mit E-Geige, Violine und Textrezitation gleich ein kleines poetisches Melodram aufführte. Sie lohnen sich, die Streichertage!

http://www.sueddeutsche.de/kultur/kurzkritik-viel-vergnuegen-1.3792016

Spielfreude gepaart mit Stil und Eleganz

Matthias Ernst, Fränkische Nachrichten, 23.10.2017

(...) Diese Spielfreude zeigt sich auch bei Franz Schuberts Rondo in h-moll. Fein fliegen die Finger über das Griffbrett ihres Instruments und erzeugen eine Klangwelt, in die man einfach nur versinken möchte. Dabei wird jede Einzelheit des komplexen Werkes so präzise gespielt, dass es an Perfektion nicht zu überbieten ist. Das ist auch beim dritten Stück des Abends der Fall, der Sonate Nr. 1 in d-moll von Camille Saint-Saëns. Wieder wirbelten die Finger nur so über die Tasten des Flügels und wieder flitzte der Geigenbogen über die Saiten. Und trotzdem erzeugte dieses Stück noch mehr Eindringlichkeit, als die beiden Vorgänger. Der Beifall des Publikums, darunter auch die Stipendiaten des Bronnbacher Stipendiums, wollte nicht enden. (...)

https://www.fnweb.de/fraenkische-nachrichten_artikel,-wertheim-spielfreude-gepaart-mit-stil-und-eleganz-_arid,1135052.html

Süddeutsche Zeitung, 28.08.2017

Die 4. Ammerseerenade beginnt mit einem kühn gemischten Programm, für den Höhepunkt sorgt Geigerin Milena Wilke

(...) Der Höhepunkt des Konzerts gehörte zweifelsohne Mozarts Violinkonzert Nr. 5 A-Dur, vor allem wegen der Solistin Milena Wilke, die derzeit noch in der Klasse von Ingolf Turban studiert. Der Auftritt zeigte die große Reife der 21-Jährigen, die mit weit gezogenen Linien zumindest einen musikalischen Kontext zum elegischen Ansatz der nordischen Werke herstellte. Die leidenschaftliche Kammerphilharmonie vermochte nicht, sie von der manchmal allzu poetischen Spielweise abzubringen, was sich allerdings im lyrischen Mittelsatz entsprechend gewinnbringend auswirkte. Wilke ging aber auch auf die deutlichen Verdichtungen des Orchesters ein und verlieh diesen Passagen große Spannung. Ihren gepflegten Ton behielt sie trotz reicher Differenzierung und hochemotionaler Kadenzen durchgehend bei. So strahlte er frisch im Kopfsatz, sang galant und beschwingt, um schließlich mit Heiterkeit auch zur Leidenschaft, ja zum feurigen Temperament im Schluss-Rondeau zu finden. Zugaben blieben nach frenetischen Ovationen nicht aus.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/festival-baeriger-auftakt-1.3644270

 

Badische Zeitung, 28.06.2017

Aufspringende Knospen

Milena Wilke (Violine) und Tatiana Chernichka (Klavier).

Selten passt der Begriff Heimspiel so gut wie bei Milena Wilke. 1996 geboren und aufgewachsen in Freiburg, die Eltern sind beim hiesigen Philharmonischen Orchester, sie selbst studierte lange an der heimatlichen Musikhochschule, inzwischen lernt sie in München weiter – und ist bereit für den Sprung in die Oberklasse der Violinvirtuosinnen. Unzählige Solo-Auftritte in ganz Europa, Preisträgerin nationaler und internationaler Wettbewerbe, zuletzt 2016 des Wettbewerbs "Ton und Erklärung" in Berlin.

Eine ganze Menge Lorbeeren, die der jungen Geigerin aber offensichtlich nicht zu Kopf gestiegen sind. Sie präsentiert sich in Freiburg freudig, mit positiver Ausstrahlung, tiefenentspannt. Keine Wunderkind-Allüren, sie spielt auf einer von ihrem Vater Rainer gebauten, klanglich vielseitigen Violine. Im Duo mit der feinfühligen Pianistin Tatiana Chernichka legt Wilke ein furioses Heim-Konzert in der Aula der Universität Freiburg hin – Studium generale und Albert-Konzerte hatten geladen: zu einer Reise durch die Sonatenwelt Mozarts, Beethovens, Prokofjews, Ravels. Dazu ein Valse-Scherzo-Schmankerl von Tschaikowsky. Wilke agiert mit flexiblen und ausdrucksstarken technischen Möglichkeiten, jede Spielart ist bereits mit unzähligen Differenzierungen versehen. Wie raffiniert sie die strahlend-nervösen Akkordbrechungen im zweiten Satz oder die rasanten Terz-Doppelgriffe im Schlusssatz von Prokofjews vielfarbiger Sonate Nr. 2 op. 94a meistert: ohne Angst vor Bruchlandungen.


Noch beeindruckender aber: die interpretatorische Tiefe. Beethovens "Frühlingssonate": Im Allegro springen die melodischen Knospen sanft auf, herrlich tänzelnd. Das Adagio: fern wie eine verblichen klingende Fotografie. In Ravels Sonate Nr. 2 verkommt der motorisch-virtuose Perpetuum-mobile-Satz nicht zur Bravournummer: alles einfühlsam phrasiert, kein Energieverlust spürbar.

Gerade bei Ravel wird auch die vorzügliche Qualität des Zusammenspiels offenbar. Chernichka bietet einen pastellartigen Traumton, und weiß ohnehin zu jeder Zeit, was angebracht ist. Mozarts Sonate B-Dur KV 454 zeigt noch Steigerungspotenzial bei Wilke: alles authentisch perlend und kontrolliert, jedoch auch etwas eindimensional. Es wäre ja schlimm, wenn man mit Anfang 20 schon das Ende der Fahnenstange erreicht wäre. Mit Erfahrung und richtiger Anleitung wird für diese sympathische junge Dame nach oben viel möglich sein.

http://www.badische-zeitung.de/klassik-2/aufspringende-knospen--138573257.html

21.05.2017

Erfrischende Frühlingssonate

Milena Wilke und Shih-Yu Tang begeistern beim Benefizkonzert für die Schule

Milena Wilke (Violine) und Shih-Yu Tang am Flügel begeistern beim Benefizkonzert in der Prälatur in Zwiefalten.
Milena Wilke (Violine) und Shih-Yu Tang am Flügel begeistern beim Benefizkonzert in der Prälatur in Zwiefalten.
Kurt Zieger 
 
 
Zwiefalten sz Für ihre bei aller Natürlichkeit faszinierende Musizierkunst in der Prälatur Zwiefalten flogen Milena Wilke und Shih-Yu Tang die Herzen und Sympathien der Zuhörer bei ihrem Benefizkonzert für die Münsterschule zu: Das als Frühlingssonate angekündigte Konzert entwickelte sich zu einem Ohrenschmaus erster Güteklasse.

 

Nach den Gruß- und Dankesworten von Hubertus-Jörg Riedlinger im Namen des gastgebenden Geschichtsvereins an Sponsoren und Vertretern von Schule und Kommune nahm Milena Wilke auf charmante Weise die vielen Zuhörer hinein in das vielschichtige Programm, das sowohl bekannte als auch selten gespielte Kompositionen enthielt. Bei allen vorgestellten Werken glänzten die beiden vielfach prämierten Interpretinnen durch überragendes Können in technischem und interpretarischem Bereich und hatten den stürmischen Beifall des Publikums mehr als verdient.

Ein akkordlich klarer Auftakt bildete den Ausgangspunkt für herrlich zarte Momente, mit denen Milena Wilke (Violine), 1996 in Freiburg geboren, das einleitende Largo in Mozarts B-Dur-Sonate schmückte. Schon vom ersten Takt an erwies sich Shih-Yu Tang, 1995 in Taiwan geboren, als versierte Mitgestalterin am Klavier, der perlende Läufe federleicht von der Hand gehen. So mündeten die Largo-Takte nahtlos in ein erfrischendes Allegro, das Mozarts Geist in all seiner Gelöstheit atmete. Duftig-zart und filigran das Andante, jede Phase mit Leben versehen; pulsierend mit jugendlichem Feuer, das hüpfend erfrischende Allegretto. Erstaunlich, wie abrupt und doch ohne Ecken und Kanten virtuos gestaltetes kraftvolles Forte und ein liebevoll zartes Piano aneinandergereiht werden können.

Eine andere Welt

Die D-Dur-Sonate von Sergej Prokofjew aus dem Jahr 1943 weist in eine andere Welt. Ursprünglich für Flöte und Klavier komponiert, hat der Komponist auf Anregung des Geigenvirtuosen Dawid Ojstrach sie für Violine in Klavier bearbeitet, was Milena Wilke in vollen Zügen auskostete. Sie, die mit zweieinhalb Jahren ihren ersten Geigenunterricht bekam, entlockte dem von ihrem Vater gebauten Instrument im Moderato liebliche und geradezu zwitschernde Passagen – bis hinauf in die obersten Lagen voller Anmut und Liebreiz. Engagiert und in erhöhtem Tonumfang das Presto, bei dem sich die Violinistin heiteres Treiben auf einem Dorffest vorstellen könnte. Bei allem instrumentalen Feuer gab es dennoch fast meditative Phasen der Ruhe und Entspannung, die auch die beiden Künstlerinnen zu genießen schienen. Im furiosen Allegro con brio strebte die bemerkenswert dichte und dennoch sehr vielseitige Interpretation ihrem Höhepunkt zu.

Melodisch und lieblich

Melodisch lieblich beginnt Beethoven seine „Frühlingssonate“ mit einem für Violine und Klavier perlenden Allegro. Jedoch, so meinte Moderatorin Wilke, als hätte es der Komponist der Jahreszeit abgeguckt, wechselten heiter fließende Läufe mit dräuenden und explodierenden Akzenten, Sturm und Gewitter vergleichbar. Beide Interpretinnen ließen ihr technisches Können und ihr Einfühlungsvermögen in die vielschichtige Wiedergabe dieser bemerkenswerten Komposition einfließen.

An ihrer Körpersprache konnte man ablesen, dass sie Beethoven mögen und sich voller Freude in seine Werke vertiefen. So wurde auch unter melodiöser Führung des Klaviers das „molto espressivo“ beim Scherzo in beseelte Musizierkunst umgesetzt; hüpfend heiter, fast unbeschwert das nachfolgende Rondo, das Milena Wilke mit einem Lächeln garnierte.

Nicht leicht zu verstehen

Arthur Honeggers für Interpreten und Zuhörer nicht leicht zu verstehende Sonate Nr. 2 spiegelte die musikalische Welt des 20. Jahrhunderts wider. Enge, nicht für jedes Ohr angenehme Passagen wechselten mit melodiösen Motiven und entsprachen damit der Vorgabe eines Allegro cantabile im ersten Satz. Zu perlender Begleitung durch die mit fast unglaublicher Leichtigkeit virtuos agierende Pianistin waren viele Phasen der Violine in den obersten Regionen des Instruments angesiedelt. Ganz anders, fast bedrückend, die tiefen Momente mit aufrüttelnden, aber auch transparent zarten Momenten im Larghetto, voll Leidenschaft das Vivace assai.

Mit einem facettenreichen „Valse Scherzo“ von Peter Tschaikowsky, das an eine Ballettaufführung erinnern konnte, rundeten die beiden Künstlerinnen mit ihrer überragenden Musizierkunst dieses beifallsumrauschte Benefizkonzert ab. Eingegangene Spenden kommen über den Förderverein der Münsterschule dem Projekt „Klassenzimmer im Grünen – Bewegen und Lernen in und mit der Natur“ zugute.

http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Erfrischende-Fruehlingssonate-_arid,10671678_toid,592.html